Das folgende Gespräch ist ein Auszug aus dem neuen STRIPES-Magazin, das man unter dem Link komplett nachlesen kann.
Die Zebralution‑Expert:innen erklären, worin die größten Chancen der Internationalisierung liegen, wie Verlage sie nutzen können und welche Herausforderungen dabei gemeistert werden müssen.
Ailish Jung: Der Markt für Hörbücher und E‑Books hat sich massiv global geöffnet. Während früher vor allem die USA, Westeuropa und Teile Asiens dominierten, wächst die Nachfrage inzwischen weltweit – oft in ganz neuen Märkten.
Jessica Barnfield: Die Märkte entwickeln sich international sehr unterschiedlich. Die USA und Nordeuropa sind reife Abo‑Märkte, während viele andere Regionen preissensibel, fragmentiert oder stark promotionsgetrieben sind.
Carlos Rojas: Im spanischsprachigen Raum wächst das Publikum für Spoken Word Content seit Jahren deutlich. Die Region gilt als besonders dynamisch, und digitale Formate werden zunehmend strategisch genutzt.
JB: Wachstum entsteht heute weniger durch größere Kataloge, sondern durch Plattformkonsolidierung, Abo‑Expansion und Discovery‑Mechanismen. Der Wettbewerbsvorteil entsteht durch kluge Marktpriorisierung und starke DSP‑Beziehungen.
Mara Hartung: Bei deutschsprachigen Verlagen wird Internationalisierung selbstbewusster gedacht. Viele werten internationale Audiorechte inzwischen selbst aus, wodurch Potenziale außerhalb klassischer Lizenzmodelle besser ausgeschöpft werden können.
Theresa Soltau: Distribution ist heute kein Engpass mehr. Die zentrale Frage lautet: Wie schaffen wir Sichtbarkeit? Value‑Added-Distribution bedeutet, Inhalte aktiv in Nachfrage zu übersetzen, statt sie nur bereitzustellen.
AJ: Große Dynamik sehen wir in Indien, Südostasien, dem spanischsprachigen Raum und Brasilien. In Europa wachsen besonders Polen, das Baltikum und der Balkan – oft getrieben durch agile lokale Verlage und Mobile-First-Nutzer:innen.
MH: Im E‑Book‑Bereich bleiben internationale Märkte stabil. Wachstum entsteht primär durch die Internationalisierung bestehender Programme, weniger durch neue Regionen.
CR: Im Audiosegment herrscht weiterhin hohe Dynamik, vor allem durch junge Zielgruppen. Regionen wie Lateinamerika haben viel Reichweite, aber geringere Kaufkraft – weshalb wir dort marktaufbauend mit Co‑Produktionen arbeiten. Die spanischsprachigen Märkte bieten große Chancen: Das Audiobook‑Angebot ist noch begrenzt, was Spielräume schafft. Zusätzlich ermöglicht Print‑on‑Demand Reichweite ohne Logistikkosten, etwa zu den 60 Millionen spanischsprachigen Menschen in den USA.
JB: Die größten Wachstumsmärkte liegen in Asien, insbesondere Indien und China. Auch Regionen in Nordafrika und im Nahen Osten (MENA) wachsen dank günstiger Datenpakete und lokalsprachigem Content. In Europa ragen Polen und Frankreich als besonders dynamische Audiomärkte heraus.
AJ: In vielen asiatischen Märkten dominieren Smartphone‑Nutzung und Preisempfindlichkeit. Kürzere Formate, Serien und Inhalte in lokalen Sprachen funktionieren dort besonders gut.
MH: Lokalisierung geht weit über Übersetzungen hinaus. Dialekte, kulturelle Codes und Genre‑Konventionen variieren stark. Was global funktioniert, braucht dennoch lokale Sensibilität.
CR: Hörgewohnheiten unterscheiden sich deutlich. In vielen spanischsprachigen Ländern entstehen durch Verkehr und lange Wege zahlreiche Audio‑Momente. Gleichzeitig wartet ein global verteiltes Publikum auf spanischsprachige digitale Inhalte.
JB: Zu den größten Herausforderungen gehören Zahlungsarten, Preisakzeptanz, Sprach‑ und Schriftkomplexität sowie fragmentierte Plattformlandschaften.
AJ: Internationale Distribution funktioniert am besten, wenn Verlage regional denken und global skalieren. Preise, Plattformen, Formate und Marketing müssen an lokale Gewohnheiten angepasst werden.
TS: Abo‑Märkte verlangen kontinuierlichen Output, Einzelkaufmärkte präzise Preissetzung. Erfolgreiche Lokalisierung umfasst Cover, Metadaten, Titel und Beschreibungen. Lokale Partnerschaften sind essenziell. Internationale Rechte bringen nur dann Mehrwert, wenn lokales Know‑how mitgedacht wird.
CR: Der spanischsprachige Raum kämpft weiterhin mit regionalen Verfügbarkeitslücken, die digital ausgeglichen werden können. Beim Audioformat stellt sich zudem die Frage nach spanischer oder lateinamerikanischer Sprecher:innenstimme – abhängig von Zielgruppe und Inhalt.
JB: In reifen Märkten zählt die Optimierung für dominante DSPs und algorithmische Sichtbarkeit. In aufstrebenden Märkten sind flexible Preise und starke lokale Player entscheidend. Multi‑Plattform‑Strategien gewinnen stetig an Bedeutung.
MH: Weltweit sind TikTok, Instagram und YouTube zentrale Marketinghebel und oft treffsicherer als klassische Anzeigen.
TS: Im Audiosegment sind Playlists, Empfehlungen und redaktionelle Platzierungen entscheidend. Am erfolgreichsten ist die Kombination aus skalierbaren globalen Strategien und kulturell passender Lokalisierung.
JB: Internationales Marketing ist heute plattform‑native und datenbasiert. Wir setzen auf DSP‑Kampagnen, Pre‑Orders, Metadatenoptimierung sowie Influencer‑Kooperationen und Performance‑Analysen, damit Maßnahmen nachhaltige Nutzung erzeugen.
MH: E‑Books bleiben eine stabile Basis. Hörbücher sind in vielen Ländern der Einstiegspunkt in den Audiomarkt. In den USA und UK entstehen hybride, dramaturgisierte Produktionen mit mehreren Sprecher:innen oder zusätzlichem Sounddesign.
TS: Plattformen wie Storytel und BookBeat investieren verstärkt in Originals und serielle Formate – hauptsächlich in Märkten mit hoher Marktdurchdringung. Aufstrebende Märkte beginnen fast immer mit klassischen Lesungen.
JB: Hörbücher wachsen global schneller als E‑Books. Audio umfasst zunehmend Hörspiele und episodische Fiction. Indien ist hier Vorreiter, während in Europa Hörbücher in breitere Abo‑Ökosysteme integriert werden.
AJ: Verlage profitieren, wenn sie lokalen Content, optimierte Metadaten und neue Formate wie Serials und Cross‑Media‑Bundles nutzen. Das stärkt Bindung und schafft neue Erlösmodelle.
TS: Künstliche Intelligenz (KI) verändert bereits heute Übersetzung, Lokalisierung, Metadaten, Marketing und Produktion – und könnte künftig personalisierte Inhalte on demand ermöglichen. Dadurch wird strategische Kuratierung immer relevanter.
CR: KI kann in aufstrebenden Märkten helfen, Audiokataloge zu erweitern, doch braucht es faire Modelle für Rechte und Monetarisierung. Zentral bleibt der Ausbau spanischsprachiger Kataloge ohne exklusive Einschränkungen.
JB: Die große Chance für Verlage liegt darin, geistiges Eigentum aufzubauen, das sich fließend zwischen Text, Audio und Screen bewegt. Formate sollten als miteinander verwobene kreative Ökosysteme behandelt werden und nicht als für sich allein stehende Produkte. Darauf aufbauend braucht es dann Preisstrukturen, von denen Autor:innen auch in Zukunft profitieren können.
AJ: Ganz einfach: Sprecht uns an – wir helfen!
MH: Verlage sollten internationale Rechte – besonders Audio – möglichst früh und umfassend sichern, Internationalisierung strategisch statt opportunistisch angehen und lokales Know‑how einbinden. Märkte sollten bewusst priorisiert und passende Inhalte ausgewählt werden. Zusätzlich lohnt es sich, KI als Effizienz‑ und Skalierungsinstrument zu nutzen. Wer Rechte, Plattformmechaniken und Nachfrageentwicklung zusammendenkt, schafft sich langfristige strategische Optionen.
CR: Grundsätzlich sprechen wir uns bei Zebralution für den Einsatz professioneller Sprecher:innen aus - nicht nur aus tiefer Überzeugung, sondern auch weil die Marktdaten zeigen, dass sie von den Hörer:innen besser angenommen werden. Verlagen, die darüber nachdenken, KI-Stimmen zu nutzen, raten wir, es von der Menge abhängig zu machen: Wenn es darum geht, den kompletten Katalog schnell und kostensparend in Audio zu konvertieren, kann KI ein gangbarer Weg sein. Soll hingegen eine Auswahl der besten Titel produziert werden, um das Segment zu testen, sollte man auf jeden Fall in die Arbeit professioneller Produzent:innen und Schauspieler:innen investieren.
JB: Internationale Expansion sollte ein strategischer Rollout sein. Erfolgreich sind Verlage, die lokale Plattformdynamiken, Preisrealitäten und Metadatenstandards verstehen – und Partner wählen, die sowohl operativ zuverlässig als auch strategisch kompetent sind. Langfristige Beziehungen schlagen kurzfristige Platzierungen.